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Festnahme und Vollzug von Untersuchungshaft und Strafhaft

Plötzlich in Handschellen – was nun?

Welche Angaben muss ich machen?

Jeder Festgenommene besitzt ein Aussageverweigerungsrecht, d.h. er ist nicht gezwungen, Angaben zum Sachverhalt zu machen er ist nur verpflichtet, der Polizei persönliche Daten mitzuteilen, also Name, Anschrift, etc.

Brauche ich einen Verteidiger?

Bei einer Festnahme ist es immer wichtig, unverzüglich einen
Strafverteidiger hinzuzuziehen, und bis zu dessen Eintreffen keinerlei Angaben
zum Sachverhalt zu machen. Unüberlegte Aussagen können gewichtige Konsequenzen nach sich ziehen. Kennt der Verhaftete bereits einen Verteidiger, darf er diesen telefonisch informieren. Sollte dies nicht möglich sein, kann der Festgenommene auch seine Angehörigen kontaktieren, die sich um einen Strafverteidiger und
andere wichtige Angelegenheiten kümmern.

Wie lange darf ich festgehalten werden?

Nach der Festnahme muss der Festgenommene innerhalb von 24 Stunden dem Ermittlungsrichter vorgeführt werden. Dieser legt fest, obUntersuchungshaft angeordnet wird oder der Betroffene während des Verfahrens
auf freien Fuß gelassen wird.

Strafhaft und Untersuchungshaft

Vor der Verurteilung können Angeklagte in Untersuchungshaft festgehalten werden. Diese unterscheidet sich im Zweck und einigen anderen Punkten von der Strafhaft, die nach der Verurteilung folgt.

Die Strafhaft ist die Form der Vollziehung einer Freiheitsstrafe. Sie wird durch ein Gericht wegen einer Straftat in einem rechtskräftigen Urteil angeordnet. Die Strafhaft wird in Justizvollzugsanstalten abgesessen und dauert je nach Urteil bis zu 15 Jahre an. Ein Ziel der Strafhaft ist es, den Täter zu resozialisieren. Die Insassen können daher im Gefängnis arbeiten und bei guter Führung können manche schon
nach 2/3 ihrer abzuleistenden Freiheitsstrafe die JVA auf Bewährung verlassen.

In Untersuchungshaft (U-Haft) werden diejenigen Verhafteten geschickt, die noch nicht durch ein Gericht rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe verurteilt wurden, aber aufgrund der Schwere der Tat, Verdunkelungs- oderFluchtgefahr bis zur Verhandlung nicht auf freien Fuß gesetzt werden können.
Sie wird in getrennten Abteilungen der JVA abgeleistet und muss nach spätestenssechs Monaten vom Oberlandesgericht gerechtfertigt werden.

Leben im Vollzug

Bei Antritt der Strafhaft erfolgt zunächst eine ärztliche Untersuchung und ein Aufnahmegespräch über die Lebenssituation des Insassen, woraufhin ein Vollzugsplan zur Resozialisierung ausgearbeitet wird. In Strafhaft müssen Häftlinge meistens Anstaltskleidung tragen und es gilt an Wochentagen Arbeitspflicht in der Küche, Wäscherei, Werkstätten, etc. Wichtige Rechte eines Gefangenen sind Kommunikation mit Angehörigen, Hygienepflege und freie Religionsausübung. In der Freizeit sind Unterhaltungsmedien wie Radio und Fernsehen erlaubt.

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Verteidigerpost

Besonders in Untersuchungshaft wird der Schriftverkehr des Gefangenen streng kontrolliert und gelesen. Einzig mit dem Verteidiger darf sich der Häftling ohne Einschränkung und Überwachung über die
sog. „Verteidigerpost“ austauschen, allerdings nur über Verfahrensangelegenheiten.

Entlassung aus der Haft

Der Zeitpunkt der Entlassung aus der Strafhaft ist meistens im rechtskräftigen Urteil des Gerichts bereits eindeutig festgelegt. Von diesem Datum kann jedoch abgewichen werden, wenn der Gefangene beispielsweise wegen guter Führung vorzeitig entlassen werden kann, zum Zwecke der Resozialisierung
ein offener Vollzug angeordnet wird oder im Anschluss an die ursprüngliche Strafe zusätzliche Strafen abgesessen werden müssen. Der Zeitpunkt derEntlassung aus der U-Haft ist häufig nicht vorherbestimmt und wird unverzüglichdurchgeführt, wenn der Grund, weshalb der Häftling festgehalten wird, entfällt.

Festnahme eines Angehörigen

Angehörige erfahren von der Festnahme für gewöhnlich durch einen Anruf des Betroffenen selbst bei der Festnahme oder durch den von ihm hinzugezogenen Strafverteidiger. Ruft der Festgenommene persönlich an, ist zu beachten, dass dieser Anruf von der Justiz überwacht wird und daher in keinem Fall die
vorgeworfene Straftat besprochen werden darf, sondern nur organisatorische
Angelegenheiten.

Kann ich meinem Angehörigen einen Strafverteidiger besorgen?

Es ist wichtig, bei einer Festnahme unverzüglich einen Verteidiger zu Rate zu ziehen. Falls der Festgenommene dies noch nicht getan hat, sollten sich die Angehörigen in jedem Fall darum kümmern. Der Beschuldigte hat jederzeit das Recht, einen Strafverteidiger zu kontaktieren, von einer
Aussage ohne Rechtsanwalt ist ernsthaft abzuraten. Sobald ein Haftbefehl gegen
eine Person vorliegt, muss ihm ein Pflichtverteidiger zur Seite gestellt werden.
Diesen darf er sich aussuchen, geschieht dies nicht, wird ihm vom Gericht ein Verteidiger zugewiesen.

Was kann ich als Angehöriger tun, um dem Betroffenen die Untersuchungshaft zu erleichtern?

Wird ein Familienmitglied in U-Haft geschickt, ist dies für alle Beteiligten eine schwierigere Situation, besonders jedoch für den Festgenommenen selbst. Die Angehörigen sollten ihn daher bestmöglich
unterstützen und versuchen, ruhig und sachlich zu bleiben. Wichtig istzunächst, dass sie dem Inhaftierten Geld auf ein gesondertes JVA-Konto überweisen, damit er sich von diesem Geld Utensilien wie Hygieneartikel und Süßigkeiten in Haft kaufen kann. Dazu wird häufig darum gebeten, Kleidung für
den Betroffenen vorbeizubringen.

Wichtig ist vor allem auch der persönliche Kontakt mit dem Angehörigen in Haft. Um den Inhaftierten besuchen zu können, müssen die Angehörigen eine Besuchserlaubnis beim Ermittlungsrichter bzw. bei der
Staatsanwaltschaft beantragen. Auf diese Weise können sie ihren Verwandten meistens ein bis zwei Wochen nach der Verhaftung besuchen. Jederzeit empfangen werden können Briefe. Diese werden jedoch zuvor von der Justiz durchgelesen, daher kann die Übermittlung einige Zeit in Anspruch nehmen.

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